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Dienstag, 14. Juli 2009

NEU: Website Volkshochschule Glarus mit aktuellem Programm 2009/2010

Liebe Freunde der Volkshochschule
Die Volkshochschule Glarus hat nun eine eigene Website.
Das aktuelle Programm findet ihr ab sofort auf
Wir freuen uns darauf, Euch an einem unserer Vorträge begrüssen zu können.

Mittwoch, 1. April 2009

Hinweis: "Die humanitäre Tätigkeit des IKRK in Konfliktgebieten: alte und neue Herausforderungen"

Wir möchten unsere Mitglieder und Besucher auf folgenden Vortrag von "Gartenflügel, Galerie und kulturelles Forum" aufmerksam machen:

Jakob Kellenberger, Präsident IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz), Genf
"Die humanitäre Tätigkeit des IKRK in Konfliktgebieten: alte und neue Herausforderungen"

Mittwoch, 13. Mai 2009, 20.00 Uhr, Kantonsschule Glarus, Aula
Nähere Information unter www.gartenfluegel.ch

Montag, 9. März 2009

Wilderness Areas of Southern Africa: Beauty and Challenges

239. (nicht im Programm)

Wilderness Areas of Southern Africa: Beauty and Challenges
Wilde Natur im südlichen Afrika: Schönheit und Herausforderungen

Bildvortrag in Englischer Sprache. Das südliche Afrika ist reich an Naturschönheiten, die wir als Touristen in den Nationalparks und Wildreservaten bewundern können. In seinem Vortrag wird sich Herr Freeman auf das Okavango Delta im nördlichen Botswana und auf die Region um den Krüger Nationalpark konzentrieren und speziell auf die Situation der Elefanten, der Löwen und der Raubvögel eingehen. Dabei werden wir nicht nur die Schönheiten zu sehen bekommen. Herr Freeman wird auch davon berichten, wie sich der Siedlungsdruck durch die ansässige Bevölkerung und der Klimawandel in diesen Gebieten auswirken.
Der Referent ist seit 1991 im Wild- und Naturschutz tätig. Er führt ein eigenes Safariunternehmen, das auf Erkundungstouren zu Fuss mit kleinen Gruppen spezialisiert ist. Sein Unternehmen legt grossen Wert darauf, einen naturschonenden Tourismus anzubieten, der den Gästen ein Bewusstsein für die Verletzlichkeit der Ökosysteme vermittelt..
Gary Freeman, Nigel, Südafrika
Donnerstag 19. März 2009, 19:30 Uhr, Hörsaal 2, Kantonsschule Glarus
Eintrittspreis Fr. 10.--
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Hinweis
wir möchten unsere Mitglieder und Besucher auf folgende Veranstaltung der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Glarus aufmerksam machen:

Exkursion nach Genf zum 500. Geburtstag von Jean Calvin
12. und 13. September 2009

Original-Flyer inkl. Anmeldetalon ansehen: hier klicken.

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Freitag, 13. Februar 2009

Schriftsteller in den Glarner Bergen

238.
Schriftsteller in den Glarner Bergen
Tödi, Glärnisch, Mürtschenstock und Kärpf: Die Glarner Berge haben die Literaten seit jeher angezogen und zu Texten inspiriert. Eine literarische Tour d'Horizon mit Geschichten von Max Frisch, Hans Morgenthaler, Ludwig Hohl, Kaspar Freuler, Tim Krohn und anderen, geführt vom Bergsteiger und Schriftsteller Emil Zopfi.
Emil Zopfi, Schriftsteller und Bergsteiger, Obstalden GL
Mittwoch, 18. Feb. 2009, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Montag, 9. Februar 2009

Türkei und Griechenland: Konflikte und ihre historischen Wurzeln (Teil 2)

237.

Türkei und Griechenland: Konflikte und ihre historischen Wurzeln
(Teil 2)
Die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei waren seit dem Vertrag von Lausanne 1923 lange Zeit unproblematisch. Erst in den fünfziger Jahren trübte der bis heute ungelöste Zypernkonflikt das bilaterale Verhältnis. In den siebziger Jahren entstand in der Ägäis wegen der Erdölvorkommen ein weiterer Konfliktherd. Diese Konflikte eskalierten trotz langjähriger gemeinsamer Mitgliedschaft der Türkei und Griechenlands in der NATO und sind einzig von ihren historischen Wurzeln her zu verstehen. Nur eine Gesamtlösung aller Konfliktfelder unter einem gemeinsamen, europäischen Dach kann jetzt gefordert sein. - Mit Dias.
Prof.Dr.phil. Paul Meinrad Strässle, Universität Zürich
Mittwoch, 11. Feb. 2009, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Mittwoch, 4. Februar 2009

Türkei und Griechenland: Konflikte und ihre historischen Wurzeln (Teil 1)

237.

Türkei und Griechenland: Konflikte und ihre historischen Wurzeln (Teil 1)
Die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei waren seit dem Vertrag von Lausanne 1923 lange Zeit unproblematisch. Erst in den fünfziger Jahren trübte der bis heute ungelöste Zypernkonflikt das bilaterale Verhältnis. In den siebziger Jahren entstand in der Ägäis wegen der Erdölvorkommen ein weiterer Konfliktherd. Diese Konflikte eskalierten trotz langjähriger gemeinsamer Mitgliedschaft der Türkei und Griechenlands in der NATO und sind einzig von ihren historischen Wurzeln her zu verstehen. Nur eine Gesamtlösung aller Konfliktfelder unter einem gemeinsamen, europäischen Dach kann jetzt gefordert sein. - Mit Dias.
Prof.Dr.phil. Paul Meinrad Strässle, Universität Zürich
Mittwoch, 04. Feb. 2009, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus
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Zusammenfassung / Rückblick:

Türkei und Griechenland: Konflikte und ihre historischen Wurzeln
Prof. Dr. phil. Paul Meinrad Strässle, 1.Abend , Mi.4.Febr. 2009


Nach einer längeren Einleitung beleuchtet Meinrad Strässle die beiden Konfliktfelder Ägäis und Zypern, zuerst aktuell, anschließend historisch.

Seit 1952 sind Griechenland und die Türkei als NATO-Mitglieder miteinander verbündet, was aber Konflikte nicht verhindert hat. Die Türkei ist für die USA ein Schlüsselstaat (geographische Lage, wachsende Bevölkerung, ökonomische Bedeutung, politischer Einfluss auf den Nahen Osten).

Zypern:
Die Aufnahme von Zypern in die EU 2004 wurde vom türkisch besetzten Nordteil nicht anerkannt, so dass effektiv nur der griechische Südteil unter dem Namen „Republik Zypern“ Mitglied der EU ist. Für die Türkei ist es nicht auszudenken, das diese Insel, die nur 65 km von der türkischen Küste mit wichtigem Ölhafen und Militärbasis liegt, als Ganzes ihrem Einfluss entgleiten würde. Die Türkei fühlt sich verpflichtet, ihre türkischen Brüder zu beschützen. Im türkischen Nordteil ist türkisches (40'000) und türkisch-zypriotisches Militär stationiert, im Südteil stehen 10'000 Mann der Nationalgarde und es hat zwei britische Militärbasen (3’900 Mann), welche von hier aus den Luftraum bis zum persischen Golf abhorchen. Ein bewaffneter Konflikt auf diesem strategisch wichtigen Stützpunkt wäre eine Katastrophe.

Ägäis:
Die Ägäis mit ihren 2383 Inseln und Inselchen gehört geographisch gleichermaßen zu Griechenland und zur Türkei; nirgends lässt sich geographisch eine Trennlinie ziehen. Bezüglich Vegetation und Geologie bietet sich überall dasselbe Bild und die Zone der heftigen Erdbeben zieht sich quer von Griechenland durchs Meer in die Türkei. Praktisch alle Inseln waren aber schon immer von Griechen bewohnt (und früher auch ein größerer Teil der türkischen Küste). Anfänglich war für alle Uferzonen die 6-See-Meilen-Grenze in Kraft. Solange sie galt, war etwa die Hälfte des Gewässers international und etwa ein Viertel griechisch. Seit aber Griechenland 1958 die 12-Meilen-Grenze beansprucht, ist nur noch ein Fünftel des Wassers international, drei Viertel griechisch und 9% türkisch. Deshalb will die Türkei, welche an ihren übrigen Küsten selber die 12-Meilen-Grenze postuliert, diese in der Ägäis nicht anerkennen. Die griechischen Inseln liegen so nahe an der türkischen Küste, dass sich türkische Schiffe kaum bewegen können, ohne in griechische Gewässer zu geraten. Erhoffte Ölvorkommen im Meer führten 1970 zu Reibereien, außerdem geben die Lufthoheit (immer wieder Luftraumverletzungen durch Militärflugzeuge), die Radarüberwachung und die Luftkontrolle der NATO Anlass zu widersprüchlichen Meinungen. Die Griechen markieren auf Inseln direkt vor der Nase der Türken militärische Präsenz und die Türkei unterhält südlich von Izmir eine eigene 4.Armee, die nicht der NATO unterstellt ist und die Griechen mit Manövern, welche Eroberungen vom Meer her üben, nervt. (Sie war es, welche 1974 Nord-Zypern besetzte)

Da beide Länder von den Touristen an den herrlichen Badestränden enorm profitieren, versuchen sie, Konflikte in diesem Gebiet zu vermeiden.

Historische Hintergründe
Nach 400 zerfiel der westliche, lateinische Teil des römischen Reiches, während das abgetrennte, griechische Oströmische Reich (das „byzantinische Reich“) noch 1000 Jahre weiter existierte. Dazu gehörte Kleinasien mit der Hauptstadt Konstaninopel (älter: Byzanz). Schon um 400 n.Chr. tauchten im Norden und Osten türkische Stämme auf. Aber erst nach 1000 wurde das christliche byzantinische Reich von Osten her von den seit kurzem zum Islam bekehrten, mächtigen Seldschuken (einem Volk der Türken) bedrängt. Das christlich griechische Reich verlor in den nächsten Jahrhunderten ständig Gebiete an die Türken und zerfiel in einzelne Teile. Konstantinopel wurde umgangen und Nordgriechenland und Bulgarien erobert. (Serben auf dem Amselfeld d.h. „Kosovo“ 1389 geschlagen). Das byzantinische „Reich“ bestand schließlich nur noch aus der Hauptstadt Konstaninopel, welche 1453 grausam erobert wurde. Seit dieser Zeit sind die Türken mit ihrem Islam und ihrer völlig fremden Sprache die Feinde der Griechen. Der Peloponnes wurde schon 1460 türkisch, die Ägäis 1566, Zypern ging 1573 trotz dem venezianischen Seesieg bei Lepanto von Venedig an die Türken verloren. Kreta wurde erst 1665 den Venezianern abgenommen. Unter dem Namen „Osmanisches Reich“ entstand ein Gebiet, das von Ägypten (mit Vasallen bis Algerien), Arabien, Irak bis nach Wien reichte. Die Türken waren religiös tolerant. Sie achteten den griechischen Patriarchen in Konstantinopel und beherrschten durch ihn die Griechen. Es gab Griechen bis in höchste Ämter am osmanischen Hof. Wenn trotzdem viele Griechen auswanderten, war es aus wirtschaftlichen Gründen (hohe Steuern) und nicht weil sie religiös verfolgt worden wären.

Um 1770 führte die russische Zarin Katharina die Große einen erfolgreichen Krieg gegen die Türken. Sie - die Russisch-orthodoxe - fühlte sich als Schutzherrin der griechisch-orthodoxen Kirche, bot griechischen Söhnen eine Schule in Russland zur Ausbildung an und erwirkte Verbesserungen für Griechisch-orthodoxe im Osmanischen Reich.

1815, am Wiener Kongress wurde das wachsende Streben der Griechen (die sich selber Hellenen nennen) nach Freiheit nicht berücksichtigt, aber als die Griechen selber mit einem Aufstand den Krieg gegen die Türken aufnahmen, war die Sympathie in Europa groß: Engländer, Franzosen und Russen kamen zu Hilfe. Bis 1834 war der südliche Teil Griechenlands und viele Inseln befreit. (Kreta war bis 1898 türkisch und kam erst 1912 an Griechenland). Nach dem ersten Weltkrieg besetzten die Griechen mit Billigung der „Entente“ die Stadt Smyrna mit wenig Umland an der türkischen Küste, weil dort sehr viele Griechen lebten. Ein griechisches Heer versuchte das Gebiet zu erweitern, wurde aber von den Türken unter der neuen Regierung von Mustafa Kemal (Atatürk) geschlagen und vertrieben. In der Folge mussten ca. 1,2 Millionen Griechen (v.a. aus Smyrna und Umgebung, aus Istanbul und von der Nordküste, d.i. Pontus) die Türkei verlassen (fast zeitgleich mit den Armeniern, sofern sie noch lebten) und im Gegenzug wurden etwa 400'000 Türken aus Griechenland vertrieben. (Auch aus Georgien und Armenien wanderten viele Griechen aus). Im Friedensvertrag wurden alle ägäischen Inseln Griechenland zugesprochen, außer der südlichen Gruppe des sog. „Dodekanes“, die zusammen mit Rhodos von 1911 bis 1947 von Italien verwaltet wurden. Auf den beiden einzigen Inseln, die der Türkei zugesprochen wurden (Imbros und Tenedos) wurden in der Folge die griechischen Bewohner systematisch benachteiligt und von zugezogenen Türken zur Abwanderung gedrängt.

1930 kam es zum Schlichtungspakt, zur Versöhnung und einem Handelsabkommen zwischen Griechenland und der Türkei. Der Grieche Venizelos und Kemal (Atatürk) verstanden sich so gut, dass sogar die Idee eines Staatenbundes aufkam. Griechenland setzte sich dafür ein, dass die Türkei in den Völkerbund aufgenommen wurde und die Türkei half später im 2.Weltkrieg den Griechen mit Lebensmitteln. (Forts.: Zypernkonflikt)
(Text: Dr. Markus Nöthiger)

Montag, 19. Januar 2009

Leidenschaft in der Musik

236.

Leidenschaft in der Musik
"Leidenschaft ist eine das Gemüt erfassende Emotion". (Wikipedia). Musik spricht als Kunstwerk gleichermassen Sinne und Geist an und löst, da sie nur klingend wahrgenommen werden kann, Gefühle aus. In gewissen Epochen, vor allem in der Romantik, ist die sinnliche Komponente besonders stark ausgeprägt. Die formale Gestaltung scheint ganz von aufwühlenden, leidenschaftlichen, dramatischen Entwicklungen bestimmt zu sein und berührt im empfänglichen Zuhörer Empfindungen von einer Intensität, die keine andere Kunst vermitteln kann. Im Referat wird anhand von Beispielen versucht, diese Kraft der Musik zu zeigen und im Zuhörer ein Stück "Erlebnisfähigkeit" zu wecken.
Peter Eidenbenz, Musiker und Dirigent, Herrliberg
Montag, 19. Jan. 2009, 19:30 Uhr, Musikzimmer, Kantonsschule Glarus

Donnerstag, 15. Januar 2009

Wie werden Kinder sozialisiert?

235.
Wie werden Kinder sozialisiert?

Eltern und Fachleute, die sich mit Kindern beschäftigen, haben alle ihre eigenen Vorstellungen, wie Kinder zu sozialisieren sind. Häufig geht es dabei mehr um die Interessen der Erwachsenen (z.B. Kontrolle durch Disziplin) und weit weniger um die Bedürfnisse der Kinder. Aus verhaltensbiologischer Sicht haben die Kinder eine innere Bereitschaft, zu gehorchen und so zu werden wie ihre soziale Umgebung. Sind wir Erwachsenen aber bereit, die notwendige Zeit dafür aufzubringen, und unseren Beitrag - beispielsweise als Vorbilder - zu leisten?
Prof.Dr.med. Remo Largo, Kinderarzt und Autor
In Zusammenarbeit mit der Elternbildung Glarus, Eintrittspreis Fr. 10.--
Donnerstag, 15. Jan. 2009, 19:30 Uhr, Schützenhaus, Glarus
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Zusammenfassung / Rückblick:
Wie werden Kinder sozialisiert? Prof. Dr. med. Remo Largo, Kinderarzt und Autor, Do. 15. Jan. 2009

Ein nicht abreißender Strom von Besucher-Innen (90 % Frauen) verzögerte den Beginn um ca. 10 min. (Der große Bericht in der Südostschweiz hatte offenbar gewirkt!) Anzahl gegen 300!
Dr. Remo Largo trug locker, aber engagiert und ohne jede Überheblichkeit vor und schlug den Saal in seinen Bann.

Das wichtigste Anliegen ist dem Referenten, dass die Bedürfnisse des Kindes im Mittelpunkt stehen. „Stromlinienförmige“, brave, folgsame Kinder gefallen Eltern, Lehrern und der Gesellschaft, aber das ist nicht erstrebenswert.

Ziel sollte sein:
  • emotional gefestigt
  • sozial kompetent mit klaren Wertvorstellungen
  • selbst bestimmte Persönlichkeit
Sogar im neuen Tierschutzgesetz heißt es über die Haltung von Katzen (od. Meerschweinchen oder Wellensittichen): Katzen sind soziale Wesen, sie brauchen Bezugspersonen und (Sicht)kontakte zu Artgenossen.

Umso mehr gilt das für Kinder, ist aber weder schriftlich formuliert noch immer gewährleistet.

Kleine Tiere und kleine Kinder brauchen ein enges Bindungsverhältnis zu Erwachsenen, die ihnen Ernährung, Pflege, Schutz etc. gewährleisten, am Anfang viel Körperkontakt, und bei Menschen kommt die Vermittlung der Kultur (Bildung) dazu. Länger allein zu sein, erfüllt Säuglinge mit Angst.

Die Bezugsperson(-en)
  • muss vertraut sein (dafür braucht es etwas Zeit),
  • sie muss verfügbar sein (nicht nur körperlich anwesend, auch mental),
  • sie muss verlässlich sein (keine unerklärlichen Wut- oder andere Anfälle; z.B. wie bei Drogenabhängigen)
Säuglinge sind so fixiert auf ihre Bezugspersonen, dass sie bald gegenüber Fremden Angst entwickeln und Eifersucht gegenüber Geschwistern.

Bezugsperson muss/soll nicht die Mutter allein sein. Wenn der Vater in der ersten Phase zu wenig da ist, lässt sich das später kaum noch aufholen. Ideal waren die Großfamilien vor 100 Jahren, wo die Kinder Beziehungen zu verschiedensten Personen aufbauen konnten (das war früher insofern noch besonders wichtig, weil viel häufiger die Mutter und andere Familienmitglieder vorzeitig wegstarben). Ganz ungünstig sind Kleinstfamilien, die es eigentlich erst seit dem 2.Welt­krieg gibt: allein erziehende Mütter mit Kind. Eine Mutter allein hat gar nicht die Zeit, die das Kind braucht.

Schulkinder entwickeln eine enge Beziehung zur Lehrperson, was bei Fachlehrersystem schwierig ist. Auch wären Kontakte außerhalb der Schule wichtig. Die Lehrperson sollte glaubwürdig und kompetent sein und die Kinder gern haben und dafür braucht sie Zeit. Das Kind muss spüren, dass es als Person geschätzt wird, nicht nur seine guten Noten. Ein Klassenzimmer, wo es sich zuhause fühlen kann, ist auch wichtig. Und wieder, wie oben gesagt, gute Beziehungen zu anderen Kindern. Wenn die Beziehungen zwischen Eltern und LehrerIn, LehrerIn und Kindern und Kindern untereinander gut sind, wirkt sich das selbstverständlich auch positiv auf die Schulleistungen der Kinder aus.

Ein Diagramm zeigt, wie gleich nach der Geburt die Beziehung zu den Eltern eine ganz wichtige Rolle spielt. Die Wichtigkeitskurve flacht etwas ab, dafür baut sich die Beziehung zu den Lehrern auf. Lange Zeit sind Eltern und Lehrer das „Größte“. Aber in der Pubertät folgt die natürliche Ablösung (Das ist im Tierreich noch viel brutaler: erwachsene Tierjunge werden verstoßen). Die Illusion macht der Erkenntnis Platz, dass Eltern und Lehrer auch nur Menschen sind. Das Bedürfnis nach Halt, Liebe, Schutz, Geborgenheit und Vorbildern bleibt aber unvermindert bestehen und wird bei den Gleichaltrigen (Fachwort aus dem Englischen: peers) gesucht: Freundschaften, Liebschaften (Nur nicht „allein sein“, das ist ein Albtraum). Da aber Gleichaltrige nie eine gleich intensive Zuwendung wie die Eltern leisten können, gibt es zwangsläufig große Probleme und Stress.

Zum Gehorsam:
In den letzten 50 Jahren folgte auf die (jahrhundertealte) Autoritäre Erziehung (schon im Alten Testament postuliert!) die antiautoritäre und dann die verhaltensorientierte Erziehung.
Die traditionelle autoritäre Erziehung sah Kinder als grundsätzlich schlecht an. Das „Böse“ galt es auszutreiben, den Willen zu brechen, eine Unterwürfigkeit des Kindes unter die absolute Autorität der Erwachsenen musste sein etc. Die Kinder gehorchten aus Angst, waren nicht konfliktfähig, fremdbestimmt, in der Entfaltung gehemmt.

Von A.S.Neills „Antiautoritärer Erziehung“ wurde alles auf den Kopf gestellt: Jedes Kind in an sich gut, das Kind allein bestimmt, was es will etc. Folgen dieser Bewegung waren mindestens teilweise positiv: Kinder waren kreativer, nahmen Gefühle besser wahr u.a.m. Wenn negative Verhaltensweisen heutiger Jugendlicher von gewissen Kreisen ausschließlich als Fol­gen dieser Erziehung dargestellt werden, ist das so nicht richtig. Wenn heutige Kinder verwöhnter, opportunistischer, konsumorientierter, weniger leistungsfreudig etc. sind, liegt es zum größten Teil daran, dass sie die Erwachsenen ko­pieren!

Neuerdings ist unter Erziehern wieder Disziplin ein Thema. Eine Umfrage unter Eltern ergab ein erstaunliches Bild: Etwa 70 % der Eltern beurteilen ihre Kinder bis sie etwa 12 Jahre alt sind als grundsätzlich ungehorsam. Das ist eine verzerrte Wahrnehmung: Kinder sind normalerweise erstaunlich folgsam, aber wenn ein Kind einen Tag lang brav ist und vielleicht ein-/zweimal sich widersetzt, registrieren viele Eltern nur diesen Ungehorsam und dramatisieren ihn.

Ein neuer Begriff ist: PPP (Triple P): positive parenting programme (Positives Erziehungsprogramm). Man versucht bei Kindern das angemessene Verhalten zu fördern und ihnen das unerwünschte Verhalten zu verleiden (das unterscheidet sich grundsätzlich nicht sehr vom Training von Pferden oder Hunden, was aber nicht heißt, dass es nur schlecht ist!)

Es ist klar, dass man Kindern Grenzen setzen muss (und dass das nicht einfach ist!), aber Remo Largo betont, dass weder Disziplin noch Verhaltenstraining nach Triple P genügt. Er weist auf viele Vorgänger hin (Rousseau, Pestalozzi, Fröbel etc.) und plädiert dafür, dass die Beziehung vor der Erziehung kommt. Kinder, die innerlich, emotional an ihre Erzieher gebunden sind, haben eine natürlichen Willen zu tun, was man ihnen sagt. Wenn aber ein Vater, den sie den ganzen Tag nicht gesehen ha­ben, am Abend das Schimpfen und Zurechtweisen übernimmt, hat er keine Chance als Autorität anerkannt zu werden. Väter hatten Jahrhunderte lang die autoritäre Erziehung aufgebaut und gerühmt, aber heute sind Väter als Angst einflößende Respektspersonen ein Anachronismus.

Der Münchner Kabarettist Karl Valentin sagte einmal: „Kinder können wir nicht erziehen, sie machen uns eh’ alles nach“. Orientierung an Vorbildern (Eltern, Lehrer, Gleichaltrige) und Nachahmung prägen das Verhalten und die Wertvorstellungen der Heranwachsenden viel mehr als „Erziehungsmaßnahmen“. Wie will man den Kindern das Fern­sehschauen (Rauchen etc.) verbieten, wenn die Eltern selber nichts Schlaueres tun? Und was wird doch für ein - für beide Seiten - unerfreulicher Aufwand betrieben, um Kindern das nächtliche Schreien oder die Windeln abzugewöhnen, vor allem bei den Erstgeborenen resp. bei Einzelkindern. Wenn schon ältere Geschwister da sind, ergibt sich vieles durch Nachah­mung von selber.

Die Idee, dass die Erziehung Aufgabe der Mutter sei und die Bildung die Aufgabe der Schule, ist doppelt falsch. Selbstverständlich werden die Kinder in den ca. 10'000 Stunden, die sie in der Schule verbringen, nachhaltig charakterlich geprägt, d.h. erzogen, und selbstverständlich werden sie – je nach Bildungsniveau der Eltern – daheim gebildet, wobei in unserer Gesellschaft die Väter sehr oft zu wenig zuhause sind.

Die Schulen dürfen sich deshalb nicht auf Vermittlung von Schulstoff beschränken, sondern müssen ihre Aufgabe als Erzieher wahrnehmen, indem sie solidarisches Verhalten fördern, Risikoverhalten (Drogen etc.) bekämpfen und Wege zeigen, wie man Konflikte bewältigt etc.

Die anschließend gestellten Fragen aus dem Publikum waren z.T. wegen der Größe des Saales schwer verständlich, aber die Antworten von Dr. Remo Largo dank Mikrophon schon. Unter anderem kam die offensichtliche Benachteiligung der Knaben in unserem Schulsystem zur Sprache (60% Mädchen : 40 % Buben im Gymnasium; da stimmt doch etwas nicht!) und die Tatsache, dass es die Gesetze in skandinavischen Staaten seit langem den Vätern und Müttern erlauben, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen, zum Vorteil der Kinder.
Zum Schluss stellte Irena Zweifel Schiesser (vom Roten Kreuz) das Projekt „Stark durch Erziehung“ vom SBE (Schweiz. Bund für Elternbildung) vor, das in diesem Jahr noch viele Veranstaltungen ins Glarnerland bringen wird.

Selbstverständlich hatte die Buchhandlung Baeschlin einen Stand mit Büchern von Dr. Remo Largo aufgebaut und wies auch auf das nächstens erscheinende Buch hin, das Remo H. Largo und der Glarner Journalist Martin Beglinger gemeinsam verfasst haben: „Schülerjahre - Wie Kinder besser lernen“.

Nach der Veranstaltung gab es im festlich dekorierten Foyer auf beiden Stockwerken einen Apéro.
(Text: Dr. Markus Nöthiger)

Samstag, 22. November 2008

"Die Unabhängigkeit ist still, ohne Gewaltsamkeit, ohne Trotz" (Karl Jaspers)

234.
"Die Unabhängigkeit ist still, ohne Gewaltsamkeit, ohne Trotz" (Karl Jaspers)

Philosophische Reflexionen über eine unaufgeregte Diskussion des Alter(n)s.
Es geht um das Bild, das unsere Kultur sich vom Alter macht; um den geistesgeschichtlichen Kontext dieses Alters- und Menschenbildes und um die Möglichkeit, ein anderes, ein lebensdienlicheres Bild des Menschen - und damit des Alters - zu entwerfen.
Eva Schiffer, MA, Philosophin, Zürich
Mittwoch, 26. Nov. 2008, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Montag, 3. November 2008

Reise einer Krankheit - Heilung oder Unterdrückung?

233.

Reise einer Krankheit - Heilung oder Unterdrückung?
Zur homöopathischen Behandlung von chronischen Krankheiten.

Möchten Sie Antworten über Sinn und Bedeutung von Krankheitssymptomen finden? Möchten Sie verstehen, weshalb das Verschwinden von Symptomen nicht Heilung bedeutet? Möchten Sie sich über den Zusammenhang Ihrer eigenen Krankheitsgeschichte und jener Ihrer Familienmitglieder und Vorfahren klar werden? Möchten Sie sich, dank lebendig erzählten Beispielen, auf eine spannende Reise begeben und drei fesselnde, kurzweilige Stunden erleben? Dann lassen Sie sich auf ein Abenteuer ein und erleben Sie den bekannten Autor und Schulleiter live.
Dr. Mohinder Singh Jus, Leiter SHI Haus der Homöopathie, Zug
Freitag, 21. Nov. 2008, 19:00-22:00 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Dienstag, 21. Oktober 2008

Die Kulturgeschichte der Maya - eine Einführung (2)

232.

Die Kulturgeschichte der Maya - eine Einführung (2/2)
Die Maya brachten mitten im Regenwald eine faszinierende Kultur zur Hochblüte: grosse Städte mit Tempeln, Palästen und Pyramiden sowie zahlreiche Skulpturen und eine Keramik, die den Maya den Ruf "Griechen Mesoamerikas" einbrachte. In ihren Faltbüchern aus Feigenrindenbast-Papier und den Inschriften trifft man auf eine geheimnisvolle Schrift, die nun seit den 90er-Jahren des 20. Jhs. weitgehend entziffert ist. Die Maya waren Meister der Kalenderwissenschaft und Astronomie, sie berechneten das Sonnenjahr sowie die Umlaufzeiten von Mond und Venus auf wenige Sekunden genau.
Dr.phil. Peter Hassler, Hochschule für Heilpädagogik, Zürich
Freitag, 17. Okt. 2008, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus
Freitag, 24. Okt. 2008, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Montag, 29. September 2008

Das Glarnerland im zweiten Weltkrieg

231.
Das Glarnerland im zweiten Weltkrieg

Mit Texten, Bildern, Exponaten und Filmausschnitten erinnert die diesjährige Wechselausstellung im Thomas-Legler-Haus Diesbach an die schwierige Zeit von 1939 bis 1945. Sie will für die Nachkriegsgenerationen darstellen, wie die Kriegszeit das Leben der Menschen in vielfältiger Hinsicht geprägt hat. Unter der kundigen Führung des Projektleiters bekommen wir einen Einblick in das, was die Menschen damals bewegte.
Prof.Dr.phil. Hans Jakob Streiff, Glarus
Montag, 29. Sep. 2008, 19:00 Uhr, Thomas-Legler-Haus, Diesbach

Rückblick:

Gegen 50 Besucher der Volkshochschule Glarus folgten den Ausführungen von Hans Jakob Streiff mit grossem Interesse. So erfuhr man neben vielen anderen Geschichten auch Details über die Landesverteidigung während des zweiten Weltkrieges in unserem Gebiet: Die Gruppe Glärnisch baute unter der Führung von Oberst Baeschlin, später Oberst Huber den Tankgraben sowie die Festungen Beglingen und Niederenberg. Karten veranschaulichten die Pläne, allenfalls auch die Linthebene durch Stauung der seitlichen Kanäle unter Wasser setzen zu können. Der Abend endete mit der Besichtigung der Ausstellung, welche zeigt Hintergründe und Details über diesen Zeitabschnitt im Kanton Glarus aufzeigt. Interesse fanden Dienstbüchlein für den Alltag der Schweizerin, Monatsabrechnung der Eiersammelstelle Glarus, Lebensmittelkarten, Zeitzeugnisse von Künstlern und vieles andere mehr. Es ist H.J. Streiff gelungen, aus der Region viele Karten und Fotos, wie z.B. ein Bild von Frau Mercier, damalige Leiterin für die Aushebung des Frauenhilfsdienstes FHD in Glarus, zu organisieren. Die Besucher staunten auch über spezielle Stücke wie eine Hilfstelle der medizinischen Erstversorgung oder eine Funkerstation. Beeindruckend, wie die damalige Bevölkerung in Zeiten von Not zusammengestanden und sich gegenseitig, wie auch den Flüchtlingen und Internierten, die hier gelebt haben, geholfen hat. (Die Ausstellung ist nochmals am letzten Samstag im Oktober und im nächsten Jahr wieder geöffnet.)
(Text/Bild: Christine Unsinn)

Montag, 3. März 2008

Erdbeben und Tsunamis

229.
Erdbeben und Tsunamis
Erdbeben und riesige Flutwellen gab es schon immer, aber heute sind in dicht besiedelten Städten viel mehr Menschen gefährdet. - Überblick über Ursachen, Auswirkungen und Schutzmassnahmen gegen solche Katastrophen.
Dr. Mark Feldmann, GeoLife, Glarus
Montag, 3. März 2008, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Dienstag, 26. Februar 2008

Wie entstehen Krankheiten aus der Sicht der TCM

228.
Wie entstehen Krankheiten aus der Sicht der TCM?
Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) sieht die Ursachen von Krankheiten anders als wir im Westen: Innere Faktoren wie Über- oder Unterfunktion eines Organs und äussere Faktoren wie klimatische Einflüsse lösen Krankheiten aus und werden erfolgreich bekämpft.
Dr.med. Daodang Zhai, Kantonsspital Glarus
Dienstag, 26. Februar 2008, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Donnerstag, 21. Februar 2008

Freie Software im Internet (Teil 2)

227.
Freie Software im Internet (Teil 2)
Kann freie Software (Linux, Mozilla, OpenOffice, etc.) Kinder in armen Ländern zu einer besseren Bildung verhelfen? Jedenfalls stellt das Internet herkömmliche Grundsätze der Wirtschaftslehre in Frage. Am zweiten Abend gibt es im Computerzimmer der Kantonsschule eine Einführung in kostenlose Alternativen zu Microsoft (Internet Explorer, Windows, etc.)
Niklaus Giger, Ing. ETH, Mollis
Donnerstag, 21. Feb. 2008, 19:30 Uhr, Computerzimmer, Kantonsschule Glarus

Samstag, 9. Februar 2008

Freie Software im Internet (Teil 1)

227.
Freie Software im Internet (Teil 1)

Kann freie Software (Linux, Mozilla, OpenOffice, etc.) Kinder in armen Ländern zu einer besseren Bildung verhelfen? Jedenfalls stellt das Internet herkömmliche Grundsätze der Wirtschaftslehre in Frage. Am zweiten Abend gibt es im Computerzimmer der Kantonsschule eine Einführung in kostenlose Alternativen zu Microsoft (Internet Explorer, Windows, etc.).
Niklaus Giger, Ing. ETH, Mollis


Zusammenfassung 1. Abend: 21. Februar 2008

Niklaus Giger hat an der ETH in Lausanne Elektroingenieur studiert, arbeitet aber seit 14 Jahren bei der Ma­schi­nenfabrik Netstal als Softwareentwickler.
Es zeigt sich bald, dass die Ausschreibung falsch formuliert war: Es geht nicht so sehr um die freie Soft­ware, son­dern in erster Linie um das Projekt: „One Laptop per Child“ (OLPC). Niklaus Giger bedauert sehr, dass er trotz intensiver Bemühung auf diesen Abend keinen solchen Laptop im Original beschaffen konnte. (Auf näch­sten Don­nerstag sollte es möglich sein).
Für die Entwicklung des ambitiösen Programms, jedem Kind auf der Welt einen eigenen, kindgerechten Lap­top zur Verfügung zu stellen, ist freie Software eine Vorbedingung. Denn nur freie Software erlaubt es, Pro­gramme in weltweiter Zusamamenarbeit anzupassen und ständig zu verbessern, denn der Aufbau der freien Software ist kein Geheimnis. Für Fachleute ist jederzeit durchschaubar, wo und wie man die Program­me ver­bessern und an beson­dere Bedürfnisse anpassen kann. Ihnen macht es offenbar Spaß, in weltweit ver­netztem Hin und Her an die­sen Programmen herumzutüfteln, ohne daraus direkt finanziell einen Nutzen zu ziehen. Als Belohnung genügt mei­stens, dass man seinerseits von dem profitieren kann, was andere verbessert haben (Es ist nicht grundsätzlich verboten, auch Geld zu verlangen, wenn man sehr viel Zeit in eine Verbesserung inves­tiert hat).
Man spricht von den 4 Freiheiten der freien Sotware: 1. Freiheit, dass jeder sie benutzen darf, 2. Freiheit, ein Pro­gramm für seine Zwecke anzupassen, weil der Quellcode offen liegt, 3.Freiheit, Kopien weiterzuverbreiten, 4. Freiheit, die Programme zu verbessern.
Am WEF 2005 in Davos forderte Nicholas Negroponte (Prof. am MIT), dass für alle Kinder im Primarschul­al­ter, von denen es weltweit etwa 500 Mio gibt, ein billiger (Ziel: 100 $), einfacher, unverwüstlicher Laptop ent­wickelt werden solle, der so wenig Strom braucht (Ziel: 2 Watt, d.h. zehnmal weniger als ein heutiger Laptop), dass man die Batterien in abgelegenen Gegenden an Ort und Stelle mit einem einfachen Generator mit Muskel­kraft laden könnte (z.B. wie einen Velodynamo). Er sollte so wetterfest und unverwüstlich sein, dass er jedes Klima ver­trägt und einen Sturz auf den (Lehm)-boden übersteht.
Am Anfang erschienen diese Forderungen utopisch, aber unterdessen haben sich so viele Leute dafür begeis­tert, Geld gespendet und aktiv mitgearbeitet an der Entwicklung des Gerätes und auch der Software, dass man dem Ziel sehr nahe gekommen ist. Das entwickelte, mehrfach verbesserte und in kleiner Serie angebotene Ge­rät kostet zur Zeit noch 200 $, kann aber bei Produktion in Großserie noch erheblich billiger werden. Es hat er­staunliche Eigen­schaften: Es kann über dutzende von Metern drahtlos mit Nachbargeräten vernetzt werden, d.h. in Dörfern oder im Urwald können die Kinder von Haus zu Haus miteinander oder mit dem Lehrer verkeh­ren; es hat einen far­bigen Bildschirm, der bei starkem Sonnenlicht umschaltet auf ein kontrastreiches Schwarz­weißbild (Wüsten- oder Schnee-tauglich); es kann auch Fotos machen und weitergeben; es hat eigens entwi­ckelte Programme darauf, die Kinder zu selbständigem Tüfteln anregen (z.B. Computerspiele, die die Kinder verän­dern können) und Wikipedia hat versprochen, kindertümliche Lernprogramme beizutragen.
5 Prinzipien: 1.das Kind darf seinen Laptop behalten; 2. alle Kinder zwischen 6 und 12 Jahren bekommen einen, 3. wenn die Einführung beschlossen ist, bekommt JEDES Kind z.B. in einem Dorf oder in einem Land so einen Lap­top (nicht nur jedes zweite, oder nur die reichen etc.), 4. so ein Laptop ist immer drahtlos mit den Nachbarn ver­bunden (und hat z.B. über den Computer des Lehrers Verbindung zum Internet); 5. Die Software ist so gestaltet, dass der Lehrer oder die Kinder selber sie anpassen oder verbessern können.
Das Ziel, nur 2 Watt zu verbrauchen, so dass eine Batterieladung 15 Stunden hinhält, ist noch nicht ganz er­reicht, aber die weltweite Zusammenarbeit zwischen Geräte- und Programm-entwicklern bringt erstaunliches zutage: z.B. dass ein heutiger Normalcomputer unnötig Strom verbraucht, weil er ständig, d.h. im Milli-Sekun­den-Takt abfragt, ob und welche Tasten gerade gedrückt werden, obwohl kein Mensch in der Lage ist, die Tas­ten so schnell anzu­schlagen.
Keine Einzelfirma wäre in der Lage gewesen, in der kurzen Zeit von 3 Jahren das Projekt derart zur Reife zu brin­gen; das war nur mit offener, weltweiter Zusammenarbeit möglich.
Im November 2007 begann die Großproduktion und in einigen Ländern (z.B. Thailand, Uruguy) wird es in Dörfern ge­testet. Unter
www.laptop.org/index.de.html kann man die neueste Entwicklung nachlesen (z.B. eine Welt­karte mit den Ländern, die sich beteiligen). Zur Zeit hat der Elan des Projekts etwas nachgelassen, es fehlt der ganz große Sprung in großen Ländern, wie z.B. Indien oder China, welcher dann die Massenproduktion erlauben würde.
Eine originelle Finanzierungsidee ist: „Give one, get one“, d.h. wer in der reichen Welt 400 $ einzahlt, kann so ein Gerät für sich bekommen und ein zweites wird einem Kind in der 3.Welt geschenkt.
Zum Schluss fragt Niklaus Giger die Anwesenden, wer in einer Woche im Computerraum wieder dabei sein werde (fast alle) und was für Themen am meisten interessieren (unterschiedliche).

Mittwoch, 6. Februar 2008

Minimal Art von Dr. Christine Jenny

226.
Minimal Art von Dr. Christine Jenny
Ist moderne Kunst intellektuell und unverständlich? Da Glarus mit seinem Kunsthaus und der international renommierten Galerie Tschudi einen Namen für zeitgenössische Kunst hat, möchten wir mit diesem Vortrag einen Beitrag dazu leisten, diese Kunst einem breiteren Publikum vorzustellen.

Die Kunstrichtung, die heute als minimal art bezeichnet wird, entstand Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Einige Künstler entwickelten eine neue Kunstauffassung, die sich deutlich vom Bisherigen unterschied. Donald Judd, ein Vertreter dieser Richtung, hat nicht nur Kunstwerke geschaffen, sondern auch versucht, das Wesentliche dieser Veränderung in Worte zu fassen. Sein Artikel "spezifische Objekte" ist der rote Faden, den Frau Dr. Jenny nutzt, um uns mit vielen Abbildungen anschaulich zu zeigen, wie in der Kunstgeschichte etwas Neues entsteht, das auf den ersten Blick fremd und unverständlich ist. Der Vortrag ist interessant für alle, die sich für moderne Kunst interessieren oder glauben, damit nichts anfangen zu können.

Zur Dozentin: Frau Dr. Jenny hat in Zürich und London Kunstgeschichte und Anglistik studiert und bei Prof. Dr. Boehm in Basel über Richard Tuttle promoviert. Sie war und ist als Kunstwissenschaftlerin vielfältig engagiert, wobei - für uns besonders interessant - ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in der Kunstvermittlung liegt. Zu den "Glarner Wurzeln": Frau Dr. Jenny ist die Enkelin von Herrn Jacques Jenny, der die Kantonsschule Glarus aufgebaut hat und der erste Rektor dieser Institution war.

Mittwoch, 6. Februar 2008, 19.30 Uhr, Kantonsschule Glarus, Hörsaal 1

Dienstag, 22. Januar 2008

Kennen Sie die "Fünfte" von Beethoven?

225.
Kennen Sie die "Fünfte" von Beethoven?
Zwar ist dieser berühmteste aller Sinfonien in ihrer Geschlossenheit und eindeutigen inneren Zielrichtung ("durch Nacht zum Licht") allgemeines geistiges Kulturgut. Trotzdem kennen nur wenige ihren kompositorischen Aufbau und Inhalt. Der Vortrag soll das Wesen dieses einzigartigen "Erlösungsdramas" bewusst machen.
Peter Eidenbenz, Musiker, Herrliberg
Dienstag, 22. Jan. 2008, 19:30 Uhr, Musikzimmer, Kantonsschule Glarus

Dienstag, 15. Januar 2008

Von der Idee zum Endprodukt

224.
Von der Idee zum Endprodukt
Wie entstehen neue Produkte, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen? Was braucht es, um diese erfolgreich zu vermarkten?
Der Referent gibt Einblick in die Berufspraxis und lässt die Teilnehmer an einigen Hits und Flops eines Unternehmens der Süsswarenindustrie teilhaben.
Jürg Läderach, Confiseur, Ennenda
Dienstag, 15. Jan. 2008, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus

Zusammenfassung vom 15. Januar 2008:
1.Teil
Jürg Läderach hat als Überraschung nicht nur Kostproben aus der Produktion vorne auf dem Tisch ausgebreitet, sondern auch seinen Sohn Johannes, der im dritten Semester in St.Gallen studiert, mitgebracht, der eine Einführung zum Begriff „Innovation“ aus der Sicht der Universität gibt.

Nach dem Motto „Die einzige Konstante ist der Wandel“ ist es unabdingbar, dass jede Firma sich ständig an­passt, denn alles ändert sich:

1. die Kundschaft und ihr Verhalten
2. die Technologie
3. die Absatzmärkte (z.B. Tankstellenshops)
4. Arbeitsmarkt (Löhne, Sozialleistungen)
5. Bedürfnisse

Bsp.: Hilti: Ein Drittel ihrer Artikel sind nicht älter als 3 Jahre
Bsp.: Kambly: Wir müssen immer einen Schritt voraus sein und neue Produkte kreieren. Diese werden zwar die in Kürze kopiert, aber es lohnt sich nicht, deswegen zu prozessieren. Wir verwenden Energie und Zeit lieber auf ein nächstes, neues Produkt.

Zu 5.: Hilti hat sog. Lead-users, d.h. schlaue Kunden, die melden, was sie für Bedürfnisse nach besseren Produkten haben; ja man schickt sogar Leute auf die Baustellen, welche die Arbeiter filmen, damit man im Büro auf Grund der Aufnahmen feststellen kann, welche Arbeitsgänge man technisch vereinfachen könnte.

Man spricht vom „Innovationstrichter“: ein großer Strauß von Ideen wird gesammelt auf Grund verschiedener Kriterien reduziert auf die machbaren und sinnvollen.

Inside-out Perspektive: Was können wir gut? (Ressourcen, Wissen, Kompetenzen, Technologie)
Outside-in Perspektive: Was will der Markt? (Kunden, Märkte, Konkurrenz, Partner)

Man muss in der Firma innovatives Denken fördern, Mut machen, Angst vor Änderungen nehmen, Auszeichnungen für gute Ideen, Fehler zulassen, offen sein für Kritik, Zeit haben für Ideen; die ganze Firma, vom Chef abwärts muss dahinter stehen;
Betriebswissenschaftler (strategisch) und Ingenieure (operativ) müssen zusammenarbeiten (sich nicht gegenseitig verachten!)

2.Teil
Vater Jürg Läderach spricht aus der Praxis. Für ihn wesentlich sind die 3 Fragen:

1. Was macht uns Freude? (Was man gerne macht, macht man meistens gut)
2. Wo gibt es Nischen? (Nicht Produkte bringen, die schon viele andere auch machen)
3. Wo eröffnen sich Gelegenheiten? (Man muss auch warten können)

Am Anfang hatten die Eltern einen kleinen Konditoreibetrieb. Damals war es üblich, Truffes aus einem Brocken Schokolademasse zwischen den Handballen zu einer Kugel zu formen. Dann kam die Idee, aus Schokolade eine Hohlkugel zu gießen, die man dann nach Belieben füllen konnte (Man ist dann freier in der Zusammensetzung der Füllmasse; z.B. ist mehr Rahm als bei den Handrollkugeln möglich). Wie man Hohlräume herstellt, wusste man, z.B. in einer Osterhasenform wird die flüs­sige Schokoladenmasse durch Zentrifugieren nach allen Richtungen an die Wandflächen gedrückt. Nach der Ab­küh­lung kann man die beiden Formhälften vorsichtig ablösen. Bei den Truffes war ein Problem: Man wollte für die­se klei­nen Kugeln nur ganz dünne Wände aus Schokolade, denn die Füllung sollte das Wichtigste sein. Die mei­sten dieser dünn­wandigen Kugeln zerbrachen aber beim Herauslösen aus der starren Halbkugelform. Da hatte die Mutter die Idee, die Kugelhohlform mit dünner Plastikfolie auszukleiden. Man konnte die erkalteten Schokoladen­hohlku­geln dank der Folie problemlos aus der Form heben und dann die Schokoladenkugeln von der Folie befreien. Dank dieser genialen Idee wurde es möglich ab 1968 solche Schokoladenhohlkugeln in großem Stil rationell, hygie­nisch und qualitativ konstant herzustellen und an Konditoreien zur weiteren Verwendung zu verkaufen (z.B. auch an Sprüngli!). Das war der Start zum Aufschwung, das brachte große Gewinne, und die braucht es für neue Ideen (v.a. wenn sie keinen Erfolg haben, s.u.). Das Verfah­ren wurde patentiert. Aber nach den 10 vorgeschriebenen Jahren wird es überall nachgemacht. (Seit 1981 hat man in Deutschland dafür eine zweite Produktionsanlage gebaut)

Beispiel für einen Flop:
Aus den USA kam der Wunsch nach Förmchen (kleine Schalen) aus dem zuckerähnlichen Material „Isomalt“ (süß, aber nicht so klebrig), welche man drüben mit passenden Füllungen versehen wollte und damit einen gewaltigen Absatz versprach. Man pröbelte in Ennenda län­gere Zeit mit dem ungewohnten Rohmaterial, produzierte eine Probeserie und schickte einen Container mit zig-tausend Schalen zum Ausprobieren in die USA (über 100'000 sFr.). Da zeigte sich, dass die Schälchen beim Auspacken drüben merkwürdig geschrumpft waren! Erst nach län­gerer Zeit merkte man, dass bei der Produktion zuviel Hitze im Spiel war, welche das Isomalt chemisch so verän­derte, dass es mit der Zeit die ursprüngliche Form verlor. Man hat das korrigiert und liefert in die USA, aber in Euro­pa ist solcher Konfekt kein Hit (So etwas merkt J.Läderach schnell, z.B. schon, wenn er zum Dessert beim Jah­resschluss­essen neue Kreationen verteilt und das Echo nicht sofort begeistert klingt!) Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist schmal. Läderach möchte die Isomaltschalenproduktion verkaufen.

Merkur:
Weil etwa 1500 - 2000 Konditoreien bei Läderach Halb- und Fertigprodukte bezogen, zögerte man, eigene Läden zu eröffnen, um die Konditoren nicht direkt zu konkurrenzieren. Seit 1981 läuft der Laden in Glarus, der Laden in Paris 1994 war kein Erfolg und wurde nach 3 Jahren geschlossen (zu weit weg, zu singulär).

2004 ergab sich die Gelegenheit, 25 Merkurläden zu übernehmen. Das ist eine ganze Kette, die das entsprechende Know-how bereits mitbringt (ganz anders als der eine Laden in Paris!) und Produkte anbietet, welche Läderach ideal ergänzen kann. Merkur ist schweizweit als Name bestens bekannt, war schon lange als Konkurrent der Konditoreien im Geschäft und wurde auch von Läderach mit gewissen Produkten beliefert. Nach der Übernahme kann Läderach innerhalb dieser Läden seine Produkte vermehrt platzieren, ohne seine anderen Kunden (die Konditoren) direkt zu brüskieren. Während die Konditoreien bisher Läderach-Produkte unter eigenem Namen verkauft haben, wird Läderach jetzt, dank den Merkur-Filialen als Marke außerhalb des Kantons Glarus bekannt.

Innovation:
Die Merkurläden bieten Gelegenheit, neue Ideen umzusetzen: so genannte Bruchschokolade, jetzt umbenannt in „Frischschokolade“, die nach dem Vorbild einer Käsetheke in einer breiten Palette angeboten werden mit dem Anspruch, immer frisch zu sein; so frisch, dass man auf eine Verpackung verzichten kann, weshalb dann der ganze Laden nach Schokolade duftet! (Bis jetzt hat niemand reklamiert wegen mangelnder Hygiene). Die Idee wurde zu einem unerwarteten Erfolg!

Eher Flop:
Dobolini, das sind Kuchenstückchen nach dem Vorbild der Dobosch-Kuchen (was ist das?). Mit ihren bunten Farben gehen sie zwar in den USA nicht schlecht, aber bei uns laufen sie nicht.

Die neueste Idee:
Am 24. Januar öffnet sich der Merkurladen an der Bahnhofstraße in Zürich nach kurzer Umbauzeit mit einer Schau-Schokoladenproduktion. Es wurden drei sympathische junge Fachleute angeheuert, die vor den Augen des Publikums laufend frische Schokolade produzieren. Man wird sehen, ob das ein Renner wird!

Zum Schluss betont Jürg Läderach, dass bei aller Umsicht, Beratung, Marktforschung etc. zum Schluss ein Faktor sehr wichtig ist: Man kann sagen: „Es braucht Glück zum Erfolg“, er sagt: „Es braucht Gottes Segen“.
In der regen Diskussion antwortet Jürg Läderach u.a. auf die Frage, ob das Geschäft in Rumänien rentiere, es laufe gut, aber es müsse für die Firma kein Geld abwerfen, sondern sei ein Entwicklungsprojekt, dass dort im Land Arbeit generiere.
Das neue Logo findet nicht überall Anklang, ist aber besser lesbar, und weil der bisherige, schwungvolle Schriftzug ohnehin nur im Glarnerland bekannt war, wird die Änderung keinen Protest auslösen!

Donnerstag, 29. November 2007

Die Täufer früher und heute

223.

Die Täufer früher und heute
Seit der Reformation gibt es in der Schweiz - v.a. im Kanton Bern - unauffällige Gemeinden von Täufern, die sich trotz harter Verfolgung durch die offizielle Kirche halten konnten und sich nach Auswanderungen in Übersee weiterverbreitet haben. - Eine Veranstaltung zum Täuferjahr 2007.
Dr. theol. Ulrich Gerber, Rektor der kirch.-theol. Schule Bern, in Zusammenarbeit mit der Evang.-Ref. Kirchgemeinde Glarus-Riedern
Donnerstag, 29. Nov. 2007, 19:30 Uhr, Hörsaal 1, Kantonsschule Glarus